Eigenschaften der Blende

Anmerkung: Folgende Ausdrücke,
- „Offenere Blende“ = „Kleiner Blendenwert“ oder
- „Geschlossenere Blende“ = „Großer Blendenwert
sind eigentlich falsch!

Denn der Blendenwert beschreibt eigentlich den Quotienten (das Verhältnis) der Brennweite und dem Durchmesser der Blendenöffnung (des Lochs). Dieses Verhältnis − im Sprachgebrauch einfach nur Blende genannt − ist eigentlich ein Bruch (z.B. F*1/8). In Worten hieße das dann:
Brennweite (F in mm) mal 1 geteilt durch den Durchmesser des Lichtdurchlasses (in mm)
Was eine dimensionslose Zahl ergibt.

Tatsächlich ist z.B. Brennweite 100mm/1.4mm (F100/1.4) Brennweite 100mm/22mm (F100/22)
  = 71,43  (ein großer Blendenwert) = 4,54  (ein kleiner Blendenwert)
gesprochen wird aber von: Große Blende Kleine Blende
  Große Blendenöffnung kleine Blendenöffnung
  kleine Blendenzahl (1.4) große Blendenzahl (22)

Damit es aber nicht zu Verwirrungen mit anderweitigen Erklärungen im Internet und in den meisten Büchern kommt und im allgemeinen Sprachgebrauch überall der Zusammenhang wie folgend benutzt wird, nutze ich in meinen Beschreibungen auch folgende Aussagen:

Es gelten also auch bei mir folgende Aussagen:

    „Große Blende = Große Blendenöffnung = Kleine Blendenzahl z.B. F1.4“
    „Kleine Blende = Kleine Blendenöffnung = Große Blendenzahl z.B. F22“


Die Blende! Und ihren Einfluss auf die Belichtung und die Schärfentiefe

Für Einsteiger in der Fotografie ist die Blende wohl das am schwierigste einzustellende Detail, das es zu verstehen gilt. Sie steuert einerseits die Lichtmenge und anderseits die Schärfentiefe. Dummerweise macht die Blende dies aber gleichzeitig beim verstellen des Blenden-Wertes. Wie muss damit nun umgegangen werden, welche Möglichkeiten ergeben sich daraus und auch welche Schwierigkeiten müssen dabei gelöst werden. Fragen, die manchmal nicht einfach zu klären sind. Ich werde in den folgenden Kapiteln versuchen etwas Licht im Tunnel der Blende zu schaffen.

Die Blende was ist sie und wo ist sie?

Die Blende befindet sich im inneren des Objektives und besteht aus mehreren Lamellen. Durch diese Lamellen wird, durch drehen am Objektiv oder durch verstellen des Blendenwertes in der Kamera, die Blendenöffnung (das Loch) im Inneren des Objektivs vergrößert oder verkleinert. Durch diese Änderung kommt nun mehr oder weniger Licht auf dem Sensor an, das Bild wird heller oder dunkler. Als zweites wird durch das verstellen der Blendenöffnung der Winkel, in dem die Lichtstrahlen auf den Sensor treffen vergrößert oder verkleinert. Dadurch nimmt die Schärfentiefe ab oder sie wird größer.

Die Angabe der Blende ergibt einen dimensionslosen Zahlenwert (als ein Quotient aus Brennweite und Blendendurchmesser) und wird als z.B. F1/8 angegeben. Diese Bezeichnung bedeutet: Der Durchmesser der Blendenöffnung ist 1/8 der eingestellten Brennweite (bei einer Brennweite von 160mm also 20mm).

Wie Sie sehen hat die Blende bei der Fotografie zweierlei wichtige Mechanismen. Zum einen sorgt sie für die „Regelung der Lichtmenge“. Der zweite Teil den eine Änderung durch die Blende ergibt, ist die gestalterische Möglichkeit durch „die Regelung der Schärfentiefe“. Beides kann nicht voneinander getrennt werden! Wünscht man eine Einstellung um sehr viel Licht einzufangen, verwendet man eine offene Blende, was automatisch dazu führt, dass die Schärfentiefe gering ausfällt. Wird dagegen die Blende geschlossen, hat man einen großen Schärfentiefenbereich aber es kommt nur noch wenig Licht auf dem Sensor an.
Anmerkung: Es gibt Möglichkeiten um diese Manko auszugleichen (dazu später mehr.)

Für beide Mechanismen gibt es Situationen, in der das Licht oder die Schärfentiefe der eigentliche Grund der Einstellung ist.

Für die beiden Ansätze, hier ein paar kurze Beispiele

Der erste Ansatz ist z.B. dass in einer relativ dunklen Umgebung fotografiert werden soll. Hier ist meist eine offene Blende nötig (wenn z.B. nicht geblitzt werden kann), denn je größer die Blenden-Öffnung, d.h. das Loch in der Blende geöffnet wird, je mehr Licht kann gleichzeitig durch sie hindurch auf den Sensor scheinen, desto heller wird das Foto.

Um mehr Licht für eine korrekte Aufnahme einzufangen, braucht es also eine größere Blenden-Öffnung, die Blende muss weiter geöffnet werden (eine kleinere Blendenzahl)

Gegensituation für den ersten Ansatz: Wird Draußen bei sehr hellem sonnigem Wetter fotografiert. Muss, damit das Foto nicht zu hell wird, die Blende geschlossen werden, d.h. die Blenden-Öffnung (das Loch) muss verkleinert werden um wenig Licht auf den Sensor fallen zu lassen.

Um weniger Licht für eine korrekte Aufnahme einzufangen, braucht es also ein kleinere Blenden-Öffnung, die Blende muss weiter geschlossen werden (größere Blendenzahl.)

Ansatz Zwei. Der Wunsch ist es ein Foto zu machen, auf dem nur ein kleiner Teil auf dem Bild scharf ist (um z.B. das Motiv vom Hintergrund besser absetzen zu können), also eine geringe Schärfentiefe gewünscht ist. In diesem Fall ist die Blende wiederum weit zu öffnen, also ein großes Loch in der Blende einzustellen.

Möchte man wenig Schärfentiefe erreichen, muss die Blende geöffnet werden, entsprechend wird ein großes Loch (eine kleinere Blendenzahl) benötigt.

Gegensituation im zweiten Ansatz. Es gilt eine weite Landschaft zu fotografieren, wobei am besten Alles von vorne bis weit hinten bis zum Horizont scharf aussehen soll. Jetzt ist also eine große Schärfentiefe gewünscht. Das heißt im Umkehrschluss zum vorgenannten, die Blende muss geschlossen werden, ein kleines Loch in der Blende ist einzustellen.

Soll eine große Schärfentiefe vorhanden sein, muss die Blende weit geschlossen werden, es wird also ein kleines Loch (größere Blendenzahl) benötigt.

Dazu gilt es allerdings zu beachten, je geschlossener die Blende eingestellt wird, desto größer ist der Bereich im Foto, der noch als scharf war genommen wird (wirklich scharf ist nur ein sehr kleiner Bereich der direkt auf der Sensoreben zur Abbildung kommt ­– dazu später mehr). ACHTUNG: Wird die Blende weiter geschlossen als die sogenannte „kritischen Blende“ (die Blende mit der maximale Schärfe), wird  zwar die Schärfentiefe weiter zunehmen, es treten dann aber zunehmend Bildfehler, wie z.B. die sogenannte „Beugungsunschärfe“ auf, welche dafür sorgen, dass das Gesamtbild nun mehr und mehr unscharf wird. Ab der „förderlichen Blende“ nimmt dann auch die Schärfentiefe wieder ab. Hierbei ist dann immer ein Kompromiss zwischen maximaler Schärfentiefe und dem Gesamt-Schärfeeindruck zu schließen. Zu erwähnen ist dabei, dass sowohl die „kritische Blende“ als auch die „förderliche Blende“ bei jeder Objektiv-Kamerakombi eine andere ist. Manche Kombis haben schon eine „förderliche Blende“ bei Blende F9 oder größer, andere wiederum erst bei F13 oder noch später. Aber F22 und Alles wird scharf, ist auf jeden Fall falsch! Die sehr kleinen Blenden (sehr große Zahlen) werden für andere Zwecke benötigt (dazu später mehr.)

Die Beugungsunschärfe ist aber zu Beginn nicht so stark ausgeprägt, als dass sie den Gewinn an mehr Schärfentiefeneindruck komplett über das gesamte Foto zu Nichte machen würde. Der Unschärfeeindruck wirkt sich am Anfang eher nur an den Ecken aus, geht dann über die Ränder bis hin zur Bildmitte. Dies muss tatsächlich in jedem Einzelfall einfach ausgetestet und beobachtet werden. Es macht auch ein Unterschied, wie hell die Szene ist, helle Lichtstrahlen führen eher zu Störungen als dunklerere.

Je geschlossener die Blende also ist, desto größer ist der Schärfentiefenbereich. Aber Achtung: Beachten Sie die „kritische Blende“ ab der die Gesamtschärfe beginnt abzunehmen.

 

Was ist aber eine Blende oder besser ein Blendenwert?

Die Blende ist in der Fotografie ein weitgefächerter Begriff. Sie werden Ausdrücke oder Bemerkungen, ähnlich folgender hören oder gehört haben: Eine Blende öffnen, Blende schließen, eine Blende heller/dunkler belichten, eine Blende länger/kürzer belichten, das kostet eine Blende an Licht oder Zeit u.s.w.. Leider wird im deutschsprachigen Raum für all diese verschiedenen Situationen immer wieder nur der eine Begriff „Blende” verwendet. In anderen Ländern gibt es hierfür mehrere verschiedener Begriffe was die Unterscheidung und das Begreifen einfacher macht, z.B. wird im Englischen der Begriff „exposure” für die Belichtung, „arperture” für Blende, aber „F-Stop” oder nur Stop” für das verstellen der „Blende” oder der „Zeit” oder auch der „ISO” um einen Lichtwert (LW) verwendet.

Beispiele:
Im Deutschen ⇒ Die Belichtung muss eine Blende heller werden
Im Englischen ⇒ The exposure needs to be a stop brighter
Im Deutschen ⇒ Verlängere die Zeit um eine Blende oder um eine Blende kürzer belichten
Im Englischen ⇒ Increase the time by one stop or expose one stop shorter
Im Deutschen ⇒ Schließe die Blende um einen Blende
Im Englischen ⇒ C
lose the aperture by one stop


Aber wir sind hier im deutschsprachigen Raum also werden wir uns an die Begriffe gewöhnen müssen. Es ist besser Sie versuchen Begriffe wie Blenden-Stufen oder LW (Lichtwerte) zu benutzen als nur den Begriff Blende.

In welchen Stufen der Wert der Blende verstellt werden kann, ist in Blendenreihe geregelt. Eine einfache Blendenreihe mit ganzen Blenden-Stufen sieht z.B. wir folgt aus.

BlendenreiheZeichnung1: Diese Zahlen findest du oft auch auf deinem Objektiv aufgedruckt

Diese Blendewerte verdoppeln, bzw. halbieren sich mit jeder „Vollen Blende” oder „Vollen Blenden-Wert”.

Dabei verdoppelt oder halbiert sich allerdings die Fläche der Blendenöffnung (dem Loch) und nicht dessen Durchmesser. Auf dem Objektiv und in der Anzeige ist aber der Faktor zur Berechnung des Durchmessers der Blendenöffnung angegeben. Dieser Durchmesser ändert sich nur um den Faktor 1,414... (Wurzel aus 2)! Wenn Sie also an Ihrem Objektiv drehen oder in der Kamera den Blendenwert um eine vollen Blendenstufe verstellen, verändern Sie dadurch den Durchmesser der Blendenöffnung um das 1,414-fache, was als Ergebnis eine Verdopplung oder Halbierung der Fläche der Blendenöffnung bewirkt. Eine Änderung um eine „Vollen Blende” z.B. von Blende F4.0 zu F5.6 (4*1,414≅5,6) bewirkt also eine Halbierung der Lichtmenge. (Die Werte sind immer gerundet.)

Dieser Umstand muss man sich einfach merken, also bitte einprägen! Denn es ist wichtig später im Zusammenhang mit der Zeit-Einstellung und dem ISO-Wert. Dort findet nämlich auch jeweils eine Verdopplung bzw. eine Halbierung pro ganzer Stufe statt. (Näheres erfahren Sie in den erweiterten Kapiteln über Blende/Zeit/ISO und deren Zusammenhänge)

In den meisten Kameras können heute auch Zwischenschritte eingestellt werden, in der Regel sind das 1/2 oder 1/3 Schritte. (Merke, es gibt nicht alle Blendenwerte an allen Objektiven!)

BlendenwerteZeichnung 2: Blendenreihe mit Zwischenwerten


Beispiel-Bilder

Die Beispielbilder kommen in Kürze