Die Blende und die Wirkung auf die Schärfentiefe
In der Fotografie regeln wir den Bereich, der im Bild nachher scharf wirken soll meist mit der Einstellung der Blende . Nebenbei bemerkt: Es gibt noch weitere Größen wie z.B. Brennweite und Abstand, die Einfluss auf die Schärfentiefe haben .

Auf der Zeichnung rechts sehen Sie bei einer „großen offenen Blende”, wie die Lichtstrahlen, die vom Motiv zurück auf die Kamera geworfen werden, auf den Sensor fallen. Je nach Abstand von der Kamera zum Motiv ändert sich der Winkel dieser Strahlen. Dabei treffen nur die Lichtstrahlen, welche von der Gegenstandsebene (Fokuspunkt) kommen, genau auf die Bildebene (Sensor). Nur diese Strahlen werden exakt scharf abgebildet. Die Lichtstrahlen davor und danach, die gerade noch innerhalb des „max. zulässigen Zerstreuungskreises” auf den Sensor treffen, werden nur so leicht unscharf, dass sie für das menschliche Auge gerade noch eine scharfen Eindruck vermitteln. Die Lichtstrahlen aber, die außerhalb des zulässigen Zerstreuungskreises auf den Sensor treffen, werden so unscharf, dass wir dies auch auf dem Foto erkennen. Deshalb wird hier nur das rote Motiv scharf abgebildet und das Blaue Motiv liegt in der Unschärfe.

Die nächste Zeichnung links, zeigt das ganze bei einer „kleinen geschlossenen Blende”. Der Winkel mit dem der Lichtstrahlen beider Motive jetzt auf den Sensor treffen, hat sich durch das schließen der Blende verkleinert. Dadurch treffen die Lichtstrahlen beider Motive, innerhalb des maximalen Bereichs des Zerstreuungskreises, auf den Sensor. Und darum werden auch beide Motive relativ scharf auf dem Sensor abgebildet.
Beispiel: Die animierten Aufnahme rechts, zeigt den Unterschied der Schärfentiefen-Wirkung, verschiedener Blenden. Bitte auf das Bild klicken.

Sie werden eventuell bemerkt haben, dass bei Ihren Fotos mehr Schärfe vorhanden ist, als in meinem Beispielbild mit den Dominosteinen! Das ist auch nicht so verkehrt. Das liegt in erster Linie am Abstand zwischen dem Objektiv und dem fokussierten Schärfepunkt. Um im Beispiel den Effekt besser demonstrieren zu können musste ich etwas ins Extreme gehen. Denn um so größer der Abstand wird, umso größer wird auch der Schärfentiefen-Bereich (bei gleicher Brennweite). Hier bei dem oberen Beispiel-Foto, bei einer Brennweite von 50mm und einem Abstand von 40cm, fällt der Schärfentiefenbereich relativ klein aus.
Und hier noch ein Beispiel aber dieses mal mit größerem Abstand von ca. 3m und einer längerer Brennweite von 155mm. Sie sehen, dass schon bei einer sehr offenen Blende F/2.8 der Schärfebereich deutlich größer ist. Der kleine Blumenstock in der Mitte ist fast komplett scharf, was ca. 10cm in der Tiefe sind. Beim 5. Bild mit der Blende F/16 ist dann aber auch schon Alles scharf, die Schärfentiefe geht hier über die 80cm der Unterlage hinaus. Sie sehen im Unterschied zu den Dominosteinen macht der Abstand viel mehr aus als die längere Brennweite. Den Zusammenhang Schärfentiefe und Brennweite, bzw. Abstand folgt in einem anderen Kapitel.
Wichtig für Sie ist jetzt erstmal sich zu merken:
- längere Brennweite weniger Schärfentiefe
- größerer Abstand mehr Schärfentiefe
Die Blende und der Zerstreuungskreis

Am Anfang dieser Seite hatte ich den Zerstreuungskreis erwähnt, dieser ist der Ausgangspunkt für das Schärfe-Empfinden. Im Weiteren erkläre ich Ihnen was es damit auf sich hat.
Wie kommt nun aber die Schärfentiefe zustande?
Scharf im eigentlichen Sinne ist erstmal nur der Bereich, der genau auf die Bildebene, also genau auf der Ebene der Sensorfläche abgebildet wird. Alles was vor bzw. hinter der Sensorfläche scharf wirkt, ist nur so wenig unscharf, dass wir das noch nicht erkennen.
Ausschlaggebend dafür, was wir noch als scharf wahr nehmen, ist der sogenannte „maximal tolerierbare Zerstreuungskreisdurchmesser”!
Hintergrund dafür ist folgender, bei einem Betrachtungsabstand, welcher der Bilddiagonalen entspricht, kann das menschliche Sehsystem zwei Punkte (die Größe eines solchen Punktes ist im Allgemeinen mit 1/1500 mm angegeben), die im Abstand von 2 Winkelminuten (1 Winkelminute sind 1/60 Grad) auseinander stehen, gerade noch als einzelne Punkte erkennen. Liegen die punkte dichter zusammen, werden sie zunehmend als einzelne Punkte unschärfer und verschwimmen letztlich zu einem einzigen größeren Kreisoval.
Dies bedeutet, dass bei 1500 einzelnen Punkten auf der Bild-/Sensordiagonalen für uns Menschen der Moment gekommen ist, wo wir anfangen nicht mehr einzelne Punkte zu sehen sondern das Ganze zunehmend als eine einheitliche Linie erkennen.
Diese Werte wurden und werden aber von Zeit zu Zeit angepasst, sodass heute durchaus verschiedene Werte im Internet und in Büchern zu finden sind.
„Der maximal tolerierbare Zerstreuungskreisdurchmesser“ ist Sensorabhängig und liegt in der Fotografie bei typischen Sensorgrößen bei:
Micro Four Third Sensor | 17,3 mm × 13 mm | 21,63 mm | 0,015 mm |
APS-C Sensor | 22,5 mm × 15 mm> | 27,00 mm | 0,018 mm |
Kleinbildformat | 24,0 mm × 36 mm | 43,20 mm | 0,030 mm |
Mittelformat | 57,0 mm × 57 mm | 80,60 mm | 0,050 mm |
Großformat | 90,0 mm × 120 mm | 150 mm | 0,100 mm |
Eine Vergrößerung der Blende ⇒ Vergrößerung des Bildwinkel ⇒ Verkleinerung der Schärfentiefe
Eine Verkleinerung der Blende ⇒ Verkleinerung des Bildwinkel ⇒ Vergrößerung der Schärfentiefe