Die Belichtung in der Fotografie

Die „Belichtung und deren Wahrnehmung”, also der Unterschied zwischen dem was wir mit unserem Auge sehen und dem was die Kamera erfassen kann, dies zu verstehen, ist eigentlich das wichtigste in der Fotografie. Dieses Verständnis (neben ein paar anderen Dingen) macht den Unterschied zwischen guten und weniger guten Fotos. Es ist auch am schwersten zu verstehende. Ich versuche es mal in einfachen Worten zu beschreiben.

Wir Menschen adaptieren Licht logarithmisch, d.h. dunklere Bereiche unterscheiden wir eher wenig, mit zunehmender Helligkeit wird die Anzahl der unterschiedlichen Helligkeits-Stufen, die wir unterscheiden können, immer schneller immer größer. Dadurch erlangen wir einen sehr großen Dynamikumfang, der in etwa 20 Blendenstufen entspricht. Weswegen es uns normalerweise keine Schwierigkeit bereitet, Helligkeitsabstufungen ab der tiefsten Dämmerung bis hin zum hellsten Sonnenlicht zu erfassen, also Objekte mit ihren vielen verschiedenen Schattierungen klar zu erkennen können.

Der Dynamikumfang, ist die Anzahl der unterscheidbaren Helligkeitswerte zwischen dem dunkelstem und hellstem Wert. Der Dynamikumfang, also die Anzahl der Helligkeitswerte (angefangen bei 2), verdoppelt sich pro Blendenstufe (2, 4, 8, 16, 32, usw.). Unser Auge umfasst also rund 1Mio Helligkeitswerte. Der Dynamikumfang moderner, guter Kameras, in RAW fotografiert (in JPG sind es ca. 1/3 weniger), hat 10-15 Blendenstufen, das entspricht lediglich 1024 bis 32768 Helligkeitswerte.

Unsere Foto-Kameras erfassen also deutlich weniger unterscheidbarer Helligkeitswerte als wir Menschen. Dieser Umstand hat zur Folge, dass die Grenzen also sehr viel früher erreicht werden. Es kommt deshalb dort, wo wir mit dem Auge gerade noch Lichtwerte unterscheiden können, zu einem sogenannten Ausfressen von Lichtern und Absaufen von Tiefen. Sobald nämlich die Grenzen des erfassbaren erreicht sind (das Glas quasi voll oder leer ist), ist Schluss mit der Unterscheidung der Helligkeitswerte und es wird nur noch reines Weiß oder reines Schwarz auf dem Sensor erzeugt. Dies ist der Teil in der Fotografie, der am schwierigsten in den Griff zu bekommen ist. Zum Beispiel erkennen wir bei einer Gegenlicht Situation gegen die Sonne (das Motiv, das Model steht mit dem Rücken zur Sonne), die Sonne und den Hintergrund recht gut, auch unser Model sehen wir in ausreichender Helligkeit. Neben dem Vorteil des größeren Dynamikumfangs, kann unser Auge, zusammen mit unserem Gehirn den Hintergrund und das Motiv selektiv, also getrennt von einander erfassen und auswerten. Es verändert dabei ständig den Pupillendurchmesser, blendet quasi ständig auf oder ab (bei unserer Kamera müssten wir hierfür ständig die Blende am Objektiv verändern). Für ein Foto müssen wir aber eine einzige Blende fest einstellen um ein Foto zu machen. Die Kamera, bzw. wir müssen deshalb entscheiden, ob die Sonne und der Hintergrund noch gut zu erkennen sind, also nicht ins reine Weiß verfallen oder der Vordergrund (unser Model) ausreichend hell belichtet wird und nicht in der Dunkelheit verschwindet. Beides gut ins Licht zu setzen schafft die Kamera so nicht.

 

Was ist nun eigentlich die Belichtung? Wann ist ein Bild richtig belichtet?

Die Belichtung ist im Grunde die Wiederspiegelung des vom Motiv oder der Szene reflektierten, bzw. ausgesendetem Lichts. Dieses wird durch Linsen gebrochen und durch die Blende limitiert und gelangt letztlich auf den Sensor. Dieses aufgetroffene Licht wird in elektrische Energie umgewandelt und durch die Elektronik zu einem Bild interpretiert. Die Belichtung wird hauptsächlich gesteuert durch die Blende (die Menge des Lichts pro Zeiteinheit) und der Verschlusszeit (die Dauer des Lichteinfalls). Für die Helligkeitskorrektur kommt nach der eigentlichen Belichtung noch die ISO dazu. (ISO bei Digital-Kameras = Verstärkung der Energie, die durch das auffallende Licht erzeugt wird).

Eigentlich sind alle Kameras so eingestellt, dass ein Foto richtig belichtet ist, wenn der Mittelwert der Helligkeitsverteilung des vorhandenen Lichts einer aufzunehmenden Szene, also alles vom tiefsten Schwarz bis zum hellsten Weiß einen Durchschnittswert von 50% hat. Von diesem durchschnittliche Lichtwert wird dann ein 18%iger Grauwert genommen. Warum 18% Grau? In einem typischen Szenario werden diese ca. 18% des vorhandenen Lichts von der Szene, bzw. dem Motiv reflektiert und landen auf dem Sensor. Die meisten Kameras sind annähernd auf diesen 18%igen Grauwert kalibriert und vergleichen dann das eingefangene Licht mit den bekannten internen Werten.
Dieser 18%ige Grauwert, der vom Motiv zurückgeworfen und von der Kamera erfasst wird, wurde durch Erfahrungswerte und Messungen, die sich noch zu Analogzeiten in der Entwicklung der Fotografie herausgestellt haben, bestimmt.

Für die Kamera ist eine ausgewogene Belichtung dann als gegeben, wenn die Helligkeit, abhängig von der erfassten Szene, gleichmäßig von den Tiefen bis zu den Lichtern verteilt ist. Das bedeutet auch, dass am besten in den untersten Tiefen und den obersten Lichtern noch Zeichnung − unterschiedliche feine Helligkeitswerte − zu erkennen sind. Als Kompromiss wird bei vorhandenen Stellen, bei denen keine erkennbaren unterschiedlichen Helligkeitswerte mehr feststellbar sind, reines Weiß (bei den Lichtern = 100%) und reines Schwarz (bei den Tiefen = 0%) aufgezeichnet.

 

Dabei wird der Fotograf ständig mit Problemen konfrontiert, auf die er reagieren muss.

Probleme sind dadurch natürlich vorprogrammiert. Ähnlich wie das Eingangs beschriebene Szenario hier noch ein Beispiel: Möchten Sie bei strahlendem Wetter eine Schneelandschaft fotografieren, eine sehr helle ggf. für unser Auge teils schon blendende Szene. Das Ergebnis ist höchst wahrscheinlich nicht die schöne helle weiße Schneelandschaft die Sie sehen, sondern sie ist durch das automatische anpassen der Kamera in eine gräuliche flaue Landschaft geworden. Hier wird der „Weißabgleich” durch die Kamera falsch angewendet (Die Szene entspricht nicht den 50% Helligkeitsverteilung). Jetzt muss manuell korrigiert und der Kamera mitgeteilt werden, wie die Helligkeitsverteilung wirklich aussieht. Solche Szenen müssen immer manuell durch eine bewusste Unter- oder (wie in diesem Fall) Überbelichtung korrigiert werden. Bei einer manuellen Überbelichtung sagen wir der Kamera, dass die Szene heller ist als die erwartete Durchschnittshelligkeit. Umgekehrt, um eine Landschaft-Aufnahme mit einer Abendrot-Stimmung zu erhalten, müssen wir der Kamera eine leichte Unterbelichtung unterschieben. Manche Kameras haben hierfür schon an den Benutzer gedacht und Bildstiele für solche bestimmte Szenen eingebaut, die eingestellt werden können und die Kamera versucht dann dem Problem korrekt entgegen zu wirken. Die Betonung liegt hier bei versucht! (Bildstiele sehen wir uns später an). Die notwendige manuelle Korrektur können Sie übrigens leicht über die Belichtungskorrektur (Belichtungswaage) Ihrer Kamera durchführen oder bei manuellen Einstellungen über verschiedene Korrekturen der eingestellten Werte für Blende, Belichtungszeit oder ISO.

Die Bildstiele haben aber in erster Linie nur einen Einfluss beim speichern der Fotos im JPG-Format. Hierbei wird der eingestellte Weißabgleich direkt in das fertige JPG-Bild eigearbeitet und ist später kaum noch raus zu korrigieren. Im Gegensatz dazu können Fotos die im RAW-Format gespeichert werden, später noch relativ einfach korrigiert werden. Diese RAW-Dateien müssen sowieso in einem geeigneten Programm (RAW-Konverter) elektronisch entwickelt werden, sie können sonst nicht in einem normalen Bild-Betrachter angeschaut werden. RAW-Dateien können als digitale Negative angesehen werden.

Wie wird der richtige Weißabgleich ermittelt?
Zur Ermittlung des richtigen Weißabgleichs dienen verschiedene Helligkeits- und Farbwerte. Diese werden während der Aufnahme von der Kamera durch verschiedene Sensoren ermittelt und abhängig von der eingestellte Messmethode und deren priorisierten Messfeldern gewichtet. Als nächstes kommen in der Kameras hinterlegte Informationen von Vergleichsbilder hinzu, anhand dehnen die Kamera eine Szene vergleicht und bewertet. Mit den so zusammen gewonnenen Informationen über die typische Helligkeitsverteilung wird dann der Weißabgleich (und letztlich auch die Farbe) eingestellt.

 

Was bedeutet das nun für uns, wie müssen wir jetzt vorgehen, um das Foto richtig zu belichten?

Wir müssen die Szene richtig beurteilen und der Kamera sagen worauf sie sich stärker konzentrieren soll, also worauf sie ihre Messungen stärker gewichten soll. Dies ist das größte Problem für den Anfänger in der Fotografie. Ihm fehlt es hier logischerweise an Erfahrung, auf was er jetzt den größeren Wert legen soll/muss.

Da wir uns aber im digitalen Zeitalter befinden, also digital fotografieren, machen wir es uns am Anfang etwas einfach. Wir stellen Belichtungs-Messmethode der Kamera auf Matrix- (Mehrfeld-) Messung, machen ein Test Foto und betrachten das Ergebnis auf dem Monitor der Kamera.
Das Ergebnis kann jetzt z.B. so aussehen:

Falsche Belichtung

Schöner, dramatischer Himmel aber was ist mit dem Rest, dem Vordergrund? Er ist zu dunkel. Was können wir jetzt tun um auch den Vordergrund heller abzulichten?
Wir versuchen mit der Kamera einen etwas dunkleren Bereich (nicht zu dunkel) zu fokussieren, in meinem Beispielbild - eventuell die helleren Bereiche der Bäume im Vordergrund. Nun könnte das Ergebnis so aussehen:

Bessere Belichtung

Jetzt ist der Himmel etwas zu hell, aber noch brauchbar. Dafür ist der Vordergrund gut belichtet. Sie sehen also, die Belichtung des Fotos ist stark von der Stelle abhängig, wo wir die stärkste Gewichtung bei der Lichtmessung setzen. Die findet bei der Matrixmessung im nahezu ganzen Sichtbereich statt, aber mit einer stärkeren Gewichtung auf den Punkt wo sich während der Auslösung der Fokuspunkt befindet. Der Nachteil bei dieser Methode ist, dass wir nicht den gewünschten Bildausschnitt festlegen können ohne die Belichtung wieder zu ändern.

Die Belichtung wird in der Regel währen dem Auslösen durchgeführt. Misst man helle Bereiche an → wird das Bild dunkler, misst man dunklere Bereiche an → wird das Ergebnis heller. Gemessen wird bei der Matrixmessung/Mehrfeldmessung im gesamten Erfassungsbereich mit einer stärkeren Gewichtung am Fokuspunkt. Bei den anderen Messmethoden (Selektivmessung, Integralmessung und Spotmessung) wird immer in der Bildschirmmitte gemessen in einem je nach Messmethode und Kamera aus der Bildmitte größer werdenden Kreis. Der Fokuspunkt wird dabei nicht beachtet (es gibt Ausnahmekameras auf die wir hier nicht eingehen).

Wir möchte doch aber ganz wo anders fokussieren! Den Bildausschnitt verschieben.

Die passende Methode ist die sogenannte separate Belichtungsspeicherung (AE-Speicherung), damit haben wir fast alles im Griff. Kameras mit denen man diese Methode anwenden kann haben dafür meistens einen Knopf mit einem Sternchen-Symbol  [*] oder einer Beschriftung „[AE-L]” für „AE Lock”.

Dabei wird der Fokus (durch 1/2 Druck des Auslösers) und die Belichtung ( Druck der Taste [*] / [AE-L] ) von einander getrennt und durch den jeweiligen Tastendruck festgehalten.

Die meisten Kameras, welche die separate AE-Speicherung unterstützen, merken sich die gemessene Belichtung für eine bestimmte vor eingestellte Zeit, meist so um die 5sec. Man muss für diese Zeit die Taste nicht festhalten. Bei manchen Kameras kann man diese Zeit selber festlegen und bestimmen wie lange die AE-Speicherung aktiv sein soll, teilweise sogar bis zum ausschalten der Kamera.


Und durchführen werden wir das ganze wie folgt:

  • Führen Sie die Übung draußen an einem nicht zu klarem Himmel durch, es sollte aber auch nicht zu dunkel sein.
  • Den Weißabgleich stellen Sie auf Autoweißabgleich
  • Stellen Sie an der Kamera eine mittlere Blende ein (so zwischen F/5.6 und F/10.0)
  • Den ISO stellen Sie erstmal auf 100 ein
  • Belichtungs-Messmethode bleibt weiter auf Automatischen Messfeld-Wahl (Mehrfeldmessung) eingestellt

Also los geht's, machen Sie ein Test Foto und begutachten es im Display der Kamera um festzustellen ob etwas zu hell oder zu dunkel ist. Entscheiden Sie dann auf welche Stelle innerhalb des Bildausschnitts die Belichtungs­messung durchgeführt werden sollte.
Haben Sie sich entschieden, schwenken Sie für das darauf folgende Foto mit dem Fokuspunkt an die Stelle, an der die Belichtung gemessen werden soll, drücken die Sterntaste bzw. die AE-L-Taste und halten Sie sie fest (die Kamera zeigt jetzt im Display ein Sternchen * an). Jetzt schwenken Sie mit dem Fokuspunkt auf die Stelle, welche den Fokus bekommen soll, also der schärfste Bereich im Foto sein soll und drücken den Auslöser 1/2 durch (die Sterntaste ist immer noch gedrückt), jetzt kann die Kamera ggf. geschwenkt werden um einen besseren Bildausschnitt zu wählen, abschließend den Auslöser vollständig durchdrücken. Dann kann die Sterntaste auch wieder losgelassen werden.
Diese Art der Belichtungssteuerung bedarf zwar etwas an Übung, aber nur durch üben wird das erlernte auch zuverlässig verinnerlicht und man wird es später bei Bedarf einfach anwenden.

Gute ausgewogene Belichtung
Klack und das Foto ist wie gewünscht im Kasten, nicht perfekt aber mit einem guten Kompromiss.

Und wie ist das bei den anderen Messmethoden (Selektivmessung, Integralmessung und letztlich bei der Spotmessung)?
Das lieber Leser, liebe Leserin sehen wir uns zu einem späteren Zeitpunkt an. Für einen Anfänger/Neueinsteiger ist es besser mit der Belichtungsmessmethode Matrixmessung (Mehrfeldmessung) zu fotografieren! Es macht vieles einfacher und Sie werden bei den meisten Fotos mit dieser Methode bessere Ergebnisse erzielen als mit den anderen Messmethoden. Sie müssen sich nur immer vor Augen halten, wie die Lichtsituation ist und dem entsprechend die Belichtung mit den gezeigten Möglichkeiten wählen. Machen Sie einfach ein Test-Foto und entscheiden Sie anhand dieses Bildes auf dem Monitor, wo Sie besser belichten sollten. Und merken Sie sich noch eines, wichtig immer im Hinterkopf zu behalten ist, dass nicht in jeder Situation und bei jedem beliebigem Licht ein gutes Foto herauskommt. Die Kamera kann viel aber auch nicht Alles korrigieren, egal was der Fotograf oder die Fotografin einstellt.

Und jetzt geht es ans üben, üben, üben, üben, üben, ...